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Wissenswertes über Nahrungsmittelintoleranz

Keine Panik – behutsam mit Intoleranzen umgehen

Allergie, Intoleranz, nie-mehr-was-essen-dürfen-Angst: Vieles schwirrt im Kopf herum, wenn Probleme mit Nahrungsmittel und deren Verträglichkeit Hintergrund von Beschwerden sein könnten. Histamin kann ein Auslöser sein. Auch die Laktose und die Fruktose machen häufig Probleme – und kommen nicht selten als Doppelpack daher. Weder wenn man eine oder gleich beide Intoleranzen hat, muss man verzweifeln – aber: man muss umdenken: in meinem maypraxisblog habe ich eine Kochwoche zu diesem Thema erstellt:

Grundsätzlich: Allergie oder Intoleranz?

Zunächst einmal muss man zwei Begriffe grundsätzlich unterscheiden, sie werden häufig vermischt müssen aber sauber getrennt werden:

  • Eine Nahrungsmittel-Allergie (NMA) liegt dann vor, wenn das Immunsystem, also die körpereigene Abwehr auf einen Stoff reagiert. Unanhängig von der aufgenommenen Menge reagiert der Körper sofort. Eine Nahrungsmittelallergie wird häufig schon im Säuglings- oder Kindesalter diagnostiziert, denn die Kinder entwickeln sich nicht normal (u.a. Gedeihstörungen, Apathie, Muskelkrämpfe, veränderte Leberwerte). Diese angeborenen Allergien bleiben ein Leben lang, sind aber de facto sehr selten und stellen eine schwere Erkrankung dar. Man geht davon aus, dass z.B. nur etwa < 0,1% der Bevölkerung z.B. unter einer Fruktose-Allergie leidet.
  • Von einer Pseudoallergie spricht man, wenn der Körper Symptome einer Allergie zeigt, aber diese nicht durch eine Reaktion des Immunsystems  hervorgerufen werden. Im Bereiche der Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann Histamin und der gestörte Kreislauf der Diaminoxidase eine solche Reaktion hervorrufen.
  • Eine Nahrungsmittel-Intoleranz (NMI) liegt dann vor, wenn der Körper bestimmte Enzyme nicht hat oder nur unzureichend bildet. Enzyme sind kleine Helferchen beim chemischen Umbau von Stoffen, sie erleichtern und bewerkstelligen in diesem Fall den Umbau von verschiedenen Zuckerformen: Die Fruktose ist Zucker aus Pflanzen und Obst, die Laktose ist der Zucker aus Milch. (Normaler Haushaltszucker heißt: Glukose) Hier sehen die Zahlen schon ganz anders aus: Zwischen 10-30% der Menschen in Deutschland verstoffwechseln Laktose oder Fruktose nicht optimal.

Eine Intoleranz kann im Laufe des Lebens auftauchen, aber auch erworben werden. Wer z.B. häufig Darmentzündungen hat oder oft mit Antibiotika behandelt wurde kann eine Intoleranz entwickeln. Anderen geht das Enzyme im Laufe des Lebens regelrecht verloren. Typisch für eine Intoleranz sind zwei Merkmale:

  • Erst ab einer bestimmten Menge reagiert der Körper mit Beschwerden …
  • … und man kann eine NMI günstigstenfalls bei guter Behandlung unter Umständen sogar wieder loswerden.

Was läuft schief im Darm?

Der erste Teil des Darms, in dem der Nahrungsbrei aus dem Magen landet, ist der Dünndarm. Hier werden die Nährstoffe aufgespalten, Enzyme helfen dabei. Die kleinen Biokatalysatoren bearbeiten unter anderem Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße so, dass sie die Dünndarmschleimhaut passieren können, in´s Blut gelangen und dann von der Leber und den Körperzellen weiter verarbeitet werden können. Fehlen nun bestimmte Enzyme, läuft diese Verwertung nicht optimal, es kommt zu einer sogenannten Malabsorption, einer verschlechterten Aufnahme, um es einmal wörtlich zu übersetzten.

Feind Fruktose?

Dadurch bleiben große Zuckerreste übrig und diese wandern mit in die nächste Verdauungs-Station, den Dickdarm. Bekanntlich ist der Dickdarm eine Art Zoo, hier leben Milliarden von Bakterien, die sich auf alle Nahrungsreste stürzen, die der Dünndarm nicht geschafft hat. Normalerweise sind das die sogenannten Ballaststoffe, unverdauliche Zellulose z.B. , also auch für Bakterien ein richtig hartes Stück Arbeit. So etwas „einfaches“ wie Zucker oder so etwas „schmackhaftes wie „Eiweiß wäre normalerweise nicht darunter – in Fall einer Malabsorption ist der Tisch für die Bakterien aber damit reichlich gedeckt. Der Teil der Darmflora, der damit was anfangen kann, vermehrt sich, das mikrobielle Gleichgewicht des Darms kommt aus dem Takt. Irgendwann wird es den vielen Dickdarmbakterien zu eng, sie wandern in Richtung Dünndarm und verdrängen die dort eigentlich ansässigen Verwandten. Diesen Effekt nennt man in der Fachsprache „Bacterial Overgrowth“. Parallel breiten sich auch Darmpilze, wie der Candida albicans, ein Zuckerspezialist, aus und beschädigen mit ihrem Wurzelwerk die empfindliche Darmschleimhaut.

Gleichzeitig produzieren die Bakterien während ihres Festmahls jede Menge Abfall, vor allem Gase: Die Flut an mikrobiell erzeugtem Wasserstoff geht via Blut über die Lunge aus dem Körper. Wer sehr empfindlich ist, der kann in diesem Fall mit Schwindel reagieren. Zugleich macht man sich diesen Vorgang in der Diagnostik zu Nutze mit dem H2-Atemtest (s.u.). Von den kurzkettigen Fettsäuren, die beim bakteriellen Zucker-Reste-Essen anfallen, kennen Sie bestimmt diese: Die Buttersäure, gerne auch bei Schulstreichen eingesetzt … erinnern Sie sich noch an den Gestank? Nun wissen Sie auch, warum Blähungen so riechen.

Zuviel und nicht die richtigen Bakterien, Abfallprodukte aus deren Stoffwechsel, der Darm unter Druck: Ohne das Problem ernst zu nehmen, kommt es zu einem Kreislauf:

Kreislauf bei unbehandelter Nahrngsmittelintoleranz

Kreislauf bei Nahrngsmittelintoleranz

Symptompuzzle bei Intoleranz

Durchfall, Blähungen, Bauchkrämpfe vor allem im Unterbauch, Verstopfungen – diese Symptome bringt man leicht mit einer Störung des Darms in Verbindung. Viele – akute  und chronische – Krankheiten des Darms äußern sich so und auch das Reizdarm-Syndrom macht sich ähnlich bemerkbar. Wie soll sich der Darm auch sonst melden, meinen Sie? In der Fachliteratur der letzten Jahre werden auch zunehmend die  sogenannten „unspezifischen Symptome“ als Warnsignale für eine Nahrungsmittelintoleranz gewertet:

  • Wer würde bei Müdigkeit, Unruhe oder Schlafstörungen schon an Darmprobleme denken? Der Darm hat aber nach neuesten Erkenntnissen auch einen erheblichen Anteil am stimmungs- und schlafregulierenden Hormonkreislauf.
  • Typisch für eine Darmstörung  sind auch Hautkrankheiten, wie Ausschlag, unreine Haut oder Akne. Oft werden sie aber nur symptomatisch behandelt und nicht mit dem Darm in Verbindung gebracht.
  • Auch bei  einer erhöhten Neigung zu Infekten lohnt sich ein Darmcheck: Im Darm sitzt ein wichtiger Teil der körpereigenen Abwehr, ohne deren volle Unterstützung die Bronchialschleimhaut (schneller) schwächelt.
  • Nicht zuletzt sind Nahrungsunverträglichkeiten auch ein möglicher Grund für unerklärliche chronische Schmerzen in Muskeln oder Gelenken. Ist der Darm matt gesetzt, kann er den Körper nicht mehr ausreichend entgiften und Nährstoffe aufnehmen. Auf kleiner Flamme laufen ständig Entzündungen im Körper ab, stetig angeheizt durch Stoffe, die nicht sauber verstoffwechselt wurden. In der Naturheilkunde umschreiben wir diesen Zustand mit einer „Übersäuerung“ des Gewebes. Deshalb gehört ein Darmcheck  und die Ernährungsberatung bzw. -umstellung  auch zu einer orthopädischen Schmerzbehandlung mit dazu.

Diagnose – gezielt auf der Spur

Der gängiste Weg, um sich im Dickicht der Symptome zurecht zu finden sind Tests. Mit einem 30-Minuten-Schnelltest direkt in der Praxis lassen sich die 20 häufigsten problemerzeugenden Stoffe direkt mit einer kleinen Blutentnahme austesten. Dadurch gewinnen man einen ersten Überblick über die Allergieneigung des Organismus. So kann z.B. von vornherein unterschieden werden, ob Sie unter einer Milcheiweiß-Allergie leiden, die etwas anderes ist als eine Milchzucker-Unverträglichkeit. Die Milcheiweißallergie ist seltener und wird deshalb häufig gerne übersehen; sie hat einen anderen Hintergrund und wird anders behandelt.

Alltäglichen Allergenen auf der Spur - für eine geeilte Therapie

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Um speziell die Werte für eine Laktose- und eine Fruktoseintoleranz zu ermitteln, wird ein Wasserstoffatemtest durchgeführt: Der H2-Gehalt im Atem steigt an, wenn es bei der Verstoffwechselung von Zucker Probleme gibt. Ab einem Wert von über 20 ppm (parts per million) liegt z.B. eine Fruktoseintoleranz sicher vor. Dieser Test wird in der Praxis durchgeführt und von einem Labor ausgewertet. Die Auswertung einer Stuhlprobe im Labor bringt Klarheit darüber, wie es um die Darmflora und das Darmmilieu bestellt ist.

Therapie – so gehen wir vor

Im Rahmen einer Therapie sollten Sie sich als erstes darauf vorbereiten, daß Sie Geduld brauchen. Etwa 3 bis 9 Monate – je nach vorheriger Dauer der Beschwerden – müssen Sie einrechnen. Aber die Mühe wird sich lohnen: Wenn der Darm wieder regeneriert, arbeitet er auch wieder normal. Die Therapie besteht …

  • … in erster Linie in einer Diät: Sie lassen zunächst unter meiner Anleitung alles was zuviel Laktose oder Fruktose enthält weitest möglich weg. Dann steigern Sie die Mengen – bis zu dem Grad, den Sie vertragen. Diese Eliminations- oder Suchdiät zieht sich über etwa 6 Wochen.
  • Parallel findet eine Darmsanierung statt, um die durch die Fehlfunktion aus dem Lot geratene Darmflora zu normalisieren. Es gibt eine Reihe von modernen Probiotika, die verschiedene Bakterien-Mixe beinhalten und genau auf bestimmte Darmprobleme zugeschnitten sind. Eine Stuhlanalyse aus dem Labor kann helfen, den genauen Mix zu finden.
  • Andere Mittel, wie Heilerde, helfen, Toxine zu binden, also die Stoffwechselprodukte, die entstehen, weil der Darm z.B. mit der Fruktose nicht klar kommt. Die Darmbakterien verarbeiten mangelhaft vorbereitete Fruktose zu Alkohol- und Fettverbindungen, die die Leber belasten. Dabei entstehen auch die Gase, die Blähungen erzeugen. Das soll dadurch verhindert werden.

Wichtig ist, zumindest konsequent zu versuchen, den Körper wieder zu einer richtigen Zuckerverwertung zu bewegen. Indem Sie sich nur auf Dauer  laktose- oder fruktosefrei ernähren, verschärft sich das Problem nur noch: Für Stoffe, mit denen sich der Organismus nicht auseinandersetzten muss, produziert er auch kein Handwerkszeug mehr. Warum sollte er auch, die Natur geht sparsam mit ihren Kräften um. Gleiches gilt für den Fall, dass Sie Enzyme substituieren, also z.B. regelmäßig auf Laktase-Tabletten zurückgreifen. Genauso gut können aus dem gleichen Grund Ihrem Körper eine Nahrungsmittelunverträglichkeit regelrecht beibringen: Indem Sie ständig auf Fruktose oder Laktose verzichten – obwohl Sie nachweislich gar keine Unverträglichkeit haben. Suchen Sie im Zweifelsfall therapeutischen Rat, es lohnt sich.

 

 

Haben Sie weitere Fragen, z.B. zum Thema Mikrobiologische Therapie, Entgiftung oder Darmsanierung?

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