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Reizdarm-Syndrom : Gründe

Was den Darm stresst

Allein das Wort “Syndrom” umschriebt schon das Problem:  In der Medizin wird damit das Vorliegen mehrerer Krankheiten, mehrerer Symptome umschrieben, deren Zusammenhänge zwar beschrieben oder zumindest begründet vermutet werden können; aber die Entstehung oder die Entwicklung, die die das Geschehen nimmt, ist nicht bekannt. Das Reizdarm-Syndrom äußert sich in vielen Variationen. Ebenso vielfältig sind die Erklärungsansätze, wie es dazu kommen kann, dass der Darm – ohne dass eine “echte” Krankheit zu Grunde liegt – nicht richtig arbeitet.

Wir essen oft falsch

Sicher macht ständige Fehl- oder Überernährung machen dem Darm auch die Arbeit schwer.  Vor allem weil wir so fett essen, als würden wir noch auf dem Feld schuften wie unsere Vorfahren. Zugleich essen wir aber auch sehr kohlenhydratreich – jeden Menge Zucker als Energielieferant : Überernährung überfordert den Stoffwechsel und auch den Darm. Noch nie hatten Menschen so viel Nahrung zur Verfügung wie in unserer Zeit. Mit allen guten, aber auch schlechten Seiten.

Ernährungsfallen -so sieht es aus! Grafik: M. May

Ernährungsfallen  – so sieht es aus

 

Unser Darm hat mit der modernen Ernährung viel zu tun. Manchmal zuviel. Ich möchte Ihnen hier kurz erläutern, wie  und warum z.B. zuviel Zucker den Darm auf Dauer matt setzt:

So legt Zucker den Darm lahm, von Michaela May auf Vimeo

Diäten stressen die Verdauungsorgane

Aber auch ständige Unterernährung bringen die Verdauung auf Dauer aus dem Takt: Wer eine Nulldiät nach Meister xy an die nächste Crash-Diät von Promi Soundso anhängt und dazwischen dann auch noch futtert wie verrückt vor Hunger (und zunimmt) … der darf sich nicht wundern, wenn der Darm das nicht mitmacht. Deshalb biete ich in meiner Praxis auch mit der my Level Diät – Endlich im GleichGewicht auch einen anderen Weg an der Sie dauerhaft  nicht nur zu weniger Kilos sondern auch zu einer Ernährungsumstellung führt.

Auch zeitliche umrissener Verzicht auf Nahrung kann heilend wirken – machen Sie es aber richtig und lassen Sie sich professionell begleiten, damit aus dem Nichts-essen auch wirklich eine Fastenzeit wird. Bei my Basenfasten kur bekommen Sie von mir eine genaue Anleitung, wie es geht, können in der Gruppe fasten oder alleine. Es lohnt sich wirklich!

Was der Darm nicht kennt – verdaut er oft nicht

Nahrungsmittelunverträglichkeiten können ebenfalls ähnliche Symptome auslösen wie ein Reizdarm oder gehen sogar mit ihm einher: Der Darm ist nicht in der Lage bestimmte Eiweiß- oder Zuckerverbindungen aufzuspalten und zu verarbeiten (Malabsorption):

  • Glutenunverträglichkeit: Diese Patienten vertragen das „Kleber-Eiweiß“ aus Getreide nicht. Weizen, Gerste Roggen und Hafer enthalten Gluten. Und zwar mehr als von Natur aus: Die glutenangereicherten Pflanzen kamen mit der modernen industriellen Lebensmittelverarbeitung erst auf.
  • Fruktosemalabsorption: Fruktose ist der Zucker aus Früchten und Gemüse. Etwa 30%-40% der Bevölkerung hat tatsächlich Probleme mit dieser Zuckerform, obwohl Obst ja nun erst mal als gesund gilt. Ein Erklärungsversuch: Im Vergleich zu früher essen wir heute viel mehr Zucker als es jemals üblich war – mit der Zuckerschwemme wird der Darm bei diesen Patienten nicht fertig, die Fruktose bleibt quasi liegen – und wird von der Darmflora mühsam abgearbeitet. Äpfel, Birnen, Mangos, Trauben, Trockenfrüchte, Honig, Birnendicksaft, Apfelkraut, Frucht- und Gemüsesäfte. Haushaltszucker besteht zu gleichen Teilen aus Trauben- und Fruchtzucker. Damit kommt in allen Süßigkeiten reichlich Fruktose vor. Achten Sie auch bei Light-Produkten, Gemüsekonserven und Softdrinks auf die Zutatenliste. Im Rahmen einer Ernährungsberatung in meiner Praxis finden wir heraus welche Sorten und wie viel Sie vertragen. Und was vielleicht sonst noch so gestrichen gehört ….

Feind Fruchtzucker?

  • Sorbitunverträglichkeit wird oft gerne übersehenen: Sorbit,  auch als Sorbitol, Glucitol oder Hexanhexaol bezeichnet, ist ein Zuckeralkohol, der aus Glukose gewonnen und normalerweise im Dünndarm abgebaut wird. Er wird vielen Diabetiker-Produkten und zuckerfreien Lebensmitteln (z. B. Diät- oder Lightprodukten und  Zahnpflegekaugummis) zugesetzt. Oftmals finden Sie es nur versteckt auf der Verpackung als E 420 gekennzeichnet.
  • Laktoseintoleranz: 15% der Deutschen leidet unter der Unverträglichkeit von Milchzucker weil ein Enzym fehlt, Reizdarmpatienten sind überproportional davon betroffen. In erster Linie muss hier Milch ersetzt werden, z.B. durch Soja, Mandel- oder Getreidemilch. Bearbeitete Milchprodukte wie Joghurt, Quark, Käse enthalten z.T. das fehlende Enzym bzw. bestimmte Bakterien, die beim Abbau helfen und sind gut verträglich. Allerdings kann sich Milchzucken, dass von den Food-Designern wegen des Geschmacks hinzugefügt wird, auch in Nahrungsmitteln verstecken, wo man es nicht vermuten würde, z.B. in  Bonbons, Teigwaren, Instant- oder Fertiggerichten und in Wurstwaren.
  • Histaminunverträglichkeit: Histamin ist in Nahrungsmitteln enthalten, die mittels Fermentation (Gärung) hergestellt werden. Geräuchertes gehört dazu (Fisch, Fleisch, Wurst/Schinken), aber auch reife Käsesorten. Pilze – und dazu zählt auch der Edelschimmel auf dem Käse, sowie Bier und Rotwein enthalten ebenso viel Histamin (Weißwein und Sekt weniger). Eine Unverträglichkeitsreaktion zeigt sich in diesem Fall nicht nur durch Darmsymptome, sondern auch durch Hautrötungen oder- irritationen und Juckreiz.
Neue Allergen-Kennzeichungs-Verordnung zur Herkunftsbezeichung

Wenn schon – dann auf Qualität & Frische achten!

Wenn Sie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit haben, dann finden Rezepte  für den Alltag auch in meinem maypraxisblog:

Eine Bitte: Das Thema Intoleranzen ist momentan sehr modern. Alle Verdauungsbeschwerden werden schnell darauf zurückgeführt, ständig ist überall davon zu lesen und zu hören. Bevor Sie aufwändig und teuer Ihre Ernährung umstellen oder gar auf bestimmte Lebensmittel verzichten – lassen Sie sich fachkundig beraten, ob Sie wirklich auch an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden oder welche Gründe sonst hinter Ihren Beschwerden stecken könnten. Das erspart Ihnen einen langen Leidensweg in der Küche, am Esstisch und im Supermarkt.

 Medikamente und Darmgesundheit

Darmprobleme können auch durch Medikamente ausgelöst werden. Eher zu Durchfall führen diese Arzneimittel:

  • Antibiotika (die sind ja dafür gedacht, Bakterien zu bekämpfen. Und dabei erwischen sie leider die gute Darmflora gleich mit)
  • Lipidsenker (Blutfettsenker)
  • Säurebindende Mittel, sogenannte Antazida
  • Psychopharmaka
  • Kalziumantagonisten
Achtung bei Nebenwirkung von Medikamenten

Achtung bei Nebenwirkung von Medikamenten

Zu den Nebenwirkungen folgender Mittel zählen Verstopfungen:

  • Schmerzmittel, auch gängige Klassiker wie Aspirin
  • Blutdrucksenker,
  • Antidepressiva

Vorsicht mit Abführmitteln

Und wo wir gerade bei Verstopfungen sind – seien Sie vorsichtig mit Abführmitteln! Auch wenn die Werbeversprechen noch so lieblich und sanft klingen: Abführmittel entziehen dem Körper Wasser und überschwemmen damit den Darm, schließlich muss der festsitzende Speisebrei ja irgendwie gelöst werden. Durch den Abgang des Wassers mit dem Stuhl verliert der Körper Kalium und Mineralien – und ein Teufelskreis beginnt, denn dadurch wird der Darm träge! So kann der zu häufige Gebrauch von Abführmitteln genau das Gegenteil von dem bewirken, was Sie eigentlich erreichen wollen.

Das gilt übrigens auch für Mittel, die auf pflanzlicher Basis hergestellt sind, z.B. aus Aloe Vera, Rhabarber oder Faulbaum. Die sind nämlich nicht weniger konsequent in ihrer Wirkung. Schauen Sie mal in der alternativen Hausapotheke nach wie Abführen auf natürliche Weise geht.

Warum Stress den Darm träge macht

Unsere Emotionen, schlechte Laune, Stress, Hektik Leid, aber auch Freude können uns regelrecht „auf den Magen schlagen“. Umgekehrt ist mittlerweile auch nachgewiesen, dass sich unsere Darmgesundheit auf die Stimmungslage niederschlägt. Der Darm denkt mit, nimmt Teil am Gesamtgeschehen und macht sich im Stoffwechselkonzert des Körpers bemerkbar. Viele Patienten mit Reisdarm-Syndrom bemerken vor allem in Stresszeiten eine Verschlimmerung der Beschwerden.

Das Bauchhirn ist auch de facto keine Erfindung – es existiert tatsächlich: Zwischen den Verdauungsmuskeln liegen dünne Nervenschichten, unterteilt in zwei Geflechte, den Auerbach-Plexus und den Meissner-Plexus. Über diese Nervenkonglomerate regelt der Darm alles, was er zu erledigen hat in Eigenregie.

Mit dem Kopfhirn steht der Darm darüber hinaus mit einer Art  Datenstandleitung, dem Nervus vagus, in Kontakt und synchronisiert sich so mit dem Geschehen in anderen Teilen des Körpers. Signalisiert das Hirn z.B. Stress, fährt der Darm die Arbeit runter: Die Energie wird woanders gebraucht, nicht zur Verdauung. In Ruhephasen, z.B. in der Nacht, leistet der Darm dann seine Schwerstarbeit.

Das Bauchhirn lernt auch. Zum Beispiel wie es die zeit- und mengengerechte Abgabe von Verdauungssäften und den Weitertransport des Speisebreis durch die Darminstitutionen zu steuern hat. Das Bauchhirn lernt im Laufe des Lebens den Nahrungsbrei zu analysieren, es kennt die richtige Mixtur an Verdauungssäften und wie schnell das ganze durch transportiert werden muss. Ist der Darm gesund kommt er mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Stoffen, die wir so essen, gut klar.

Kommt es aber im Zusammenspiel zu Fehlern oder Lücken, dann entstehen Unverträglichkeiten und Probleme. Es fehlen dem Darm schlicht die Lösungen, um mit den täglichen Herausforderungen umzugehen: Der Darm ist überlastet, Durchfall, Verstopfungen und Schmerzen sind die Konsequenzen.

Darmflora – ein eigenes Ökosystem

Der Mensch ist ein Zoo, zumindest aus bakterieller Sicht. Denn der Darm ist nicht nur ein großer Denker, er beherbergt auch ein eigenständiges,  komplexes Ökosystem:

  • Allein im Dickdarm leben nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen etwa 30.000 verschiedene Bakterienarten. (Früher dachte man mal es wären 200-300 Arten….)
  • Ihr Menge ist beeindruckend: 100 Billionen Mirkoorganismen tragen wir dort mit uns herum. Das sind 10 Mal mehr Bakterien als der Mensch Zellen hat.
  • Etwa 2 kg des Körpergewichts machen Darmbakterien aus.

Die Aufgaben der Darmflora sind komplex: Die Bakterien killen Keime, die sich im Restnahrungsbrei befinden und verhindern so, dass sie ins Körperinnere gelangen und dort Schaden anrichten können. Sie verwerten bestimmte Vitamine, sodass der Körper sie aufnehmen kann und sie trainieren das Immunsystem. Auf hier kann es z.B. durch Infekte oder Medikamente zu einer Störung kommen – die Konsequenzen sind leicht auszumalen….

Auch häufige Darminfekte können das Reizdarm-Syndrom auslösen. Vermutet wird, dass die andauernden Durchfälle die gesunde Darmflora dezimiert wird und andere schädliche Bakterien die Chance ergreifen sich anzusiedeln. Untersuchungen zeigen, dass z.B. ein Jahr nach einer Salmonellenerkrankung die Wahrscheinlichkeit einen Reizdarm zu entwickeln um das 10 fache steigt.